WIR BERICHTEN: am 19. Juli versammelten sich Mitglieder und Gäste des DAB SH zur Führung durch die gotische Klosterkirche von Bordesholm. Herr Clausen von der Gemeinde Bordesholm erklärte uns kundig all die historischen Zusammenhänge, die, wie die schleswig-holsteinische Geschichte im Großen, hier auch im Kleinen sehr komplex erscheinen und im Folgenden kurz und zusammenfassend wiedergegeben werden:
Der Bau der Kirche begann 1309 auf einer Halbinsel im Bordesholmer See. Diese Halbinsel wurde durch die Eindämmung einer nahe am Ufer bestehenden Insel von den Chorherren des Augustiner Chorherrenstiftes geschaffen, die im zur Kirche gehörigen Kloster lebten. 
Die als Hallenkirche gebaute Klosterkirche wurde 1332 geweiht und bestand anfangs aus einem Mittelschiff mit einem hohen Satteldach mit Dachreiter. Im 15. Jahrhundert wurde sie spätgotisch um drei Joche erweitert und präsentiert sich architektonisch bis heute in dieser einheitlichen gotischen Form.
Nach der Durchsetzung der Reformation in Schleswig-Holstein im Jahr 1547 bestand das Kloster noch bis zu seiner Säkularisierung im Jahr 1566. Es wurde nun zu einer evangelischen Fürstenschule umgewidmet, die wiederum später zu einer Gelehrtenschule umgewandelt wurde. Aus dieser ging wiederum 1665 die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hervor.
In der Bibliothek des ehemaligen Klosters befanden sich über 650 Handschriften und Drucke. Mit Schließung der Gelehrtenschule ging diese Sammlung an die CAU Kiel und bildete den Grundstock der Universitätsbibliothek. Die Universitätsprofessoren erhielten noch bis ins Jahr 1801 das Recht, in der Kirche beigesetzt zu werden.
Bei Nennung der Bordesholmer Kirche denken viele zunächst an den berühmten „Bordesholmer Altar“ oder „Brüggemann Altar“, der zum Bedauern der Bordesholmer Gemeinde nicht mehr in der Klosterkirche steht, sondern seit 1666 im Dom zu Schleswig zu bewundern ist. Dieser Altar wurde im Jahr 1514 von Herzog Friedrich I. von Schleswig-Holstein ursprünglich für die Klosterkirche in Auftrag gegeben. Den Auftrag bekam der aus der Region stammende Bildschnitzer Hans Brüggemann. Innerhalb von 7 Jahren schuf er dieses monumentale Werk von 13 Metern Höhe und fertigte ca. 392 individuell handgeschnitzte Figuren dafür an.
Ein Werk mit der Handschrift Hans Brüggemanns ist dennoch in der Bordesholmer Klosterkirche zu bewundern: Im Zentrum der Kirche steht die beeindruckende Bronzetumba mit den Liegefiguren des Herzogpaares Anna von Brandenburg und Friedrich I. von Schleswig-Holstein Gottorp. Der Entwurf beider Liegefiguren geht auf Hans Brüggemann zurück.
Interessant war ebenfalls die Besichtigung der „Russischen Kapelle“ in der ehemaligen Sakristei. Sie gehört zu den wenigen erhaltenen Bauresten des Augustiner-Chorherren-Stifts außerhalb der Kirche. Ihren Namen verdankt sie der dortigen Grablegung des 1739 verstorbenen Herzogs Carl Friedrich, dem Vater des späteren Zaren Peter III.
Nach den vielen spannenden Informationen und Eindrücken fanden wir uns am See gelegenen See-Café ein, wo wieder einmal, neben dem Genuss des sehr guten Kuchens, interessante Gespräche geführt wurden. Danach begab sich, frisch gestärkt und bei gutem Wetter, die Mehrheit von uns auf die Wanderung um den Bordesholmer See.
Wieder eine gelungen, gemeinsame Veranstaltung, die Freude machte!
