Oper von Francis Poulenc (1899-1963), Dialogues des Carmélites (Gespräche der Karmeliterinnen), Aufführung des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters in Flensburg
Eine Oper mit einem katholischen Thema im weitgehend evangelischen Norden ist an sich schon ungewöhnlich, umso mehr da sie im 20. Jhdt. entstanden ist. Gleichzeitig liegt die Oper offensichtlich im Trend. Diesjährige Aufführungen gibt es in Stuttgart, der Semperoper in Dresden, dem Badischen Staatstheater Karlsruhe, dem Saarländischen Landestheater und der Bayerischen Staatsoper, die Liste ließe sich mit weiteren Aufführungen im In- und Ausland fortführen. Das hiesige Landestheater befindet sich also in bester Gesellschaft. Warum gerade jetzt dieses Interesse an einem eher schwierigen Thema?
Der Hintergrund
Das Libretto beruht auf einer historischen Begebenheit während der französischen Revolution. Am 17. Juli 1794 bestiegen 16 Ordensschwestern des Karmel von Compiègne das Schafott, nachdem sie wegen „konterrevolutionärer Versammlungen“, „fanatischer Briefwechsel“ und „freiheitsbedrohlicher Schriften“ zum Tode verurteilt worden waren. Während eine nach der anderen der Guillotine zum Opfer fiel, sangen sie Psalmen und Hymnen, bis die letzte von ihnen verstummte. Die ansonsten bei Hinrichtungen tobende und blutrünstige Menge verfolgte das Geschehen schweigend und voller Betroffenheit.
Gertrud von le Fort (1876-1971) nutzte den Bericht der einzigen überlebenden Nonne als historischen Rahmen für ihre 1931 erschienene Novelle „Die letzte am Schafott“. Gedacht war die Novelle als Mahnung gegen die gesellschaftlichen Veränderungen durch den aufkeimenden Nationalsozialismus. Die Handlung der Oper basiert auf dieser Novelle, wurde aber von Poulenc deutlich gestrafft und thematisch fokussiert.